WAHLKREISPROGNOSE.DE I 04. AUGUST 2021

Bewegung bei den bundesweiten Zweitstimmen: der Unions-Vorsprung verkleinert sich. Zulegen können Grüne, SPD und FDP. Bei der Direktwahlpräferenz kann Olaf Scholz seine Favoritenrolle festigen, während Armin Laschet verliert.

Unionswert schlägt fast überall den von Laschet

Bis auf wenige Ausnahmen schneidet Armin Laschet bei der Direktwahlpräferenz überall schlechter ab als die Union.

Besonders stark divergieren Laschets Werte gegenüber der CSU in Bayern. Dort liegt der Unions-Kandidat mit bis zu 20 Prozentpunkten unterhalb des örtlichen CSU-Werts. Auch in den nördlichen Regionen der Republik zeigen sich deutliche Schwächen von Armin Laschet.

Durchmischtes Bild bei Baerbock

Bei Annalena Baerbock halten sich regionale Stärken und Schwächen die Waage. Baerbock kann sich besonders in Brandenburg vom Grünen-Wert emanzipieren. Ihren besten Regio-Wert generiert die grüne Kanzlerkandidatin in München (33%).

Olaf Scholz übertrumpft SPD

Erfahrungsgemäß werden Parteiergebnisse mitunter durch die Popularität des Spitzenkandidatens beeinflusst. Bei allen Landtagswahlen der letzten Zeit profitierte am Ende die Partei, die mit einem populären Bewerber für das Regierungsamt in den Wahlkampf zog. Nach aktueller Trendlage stabilisiert Olaf Scholz seine Pole Position in der K-Frage. Bisher allerdings kann seine Partei nur leicht profitieren, wenngleich der Abstand zur Union verkürzt wird.

Olaf Scholz lässt den örtlichen SPD-Wert weit hinter sich und schöpft überraschende Potenziale aus: so liegt der Finanzminister inzwischen sogar in Bayern und Baden-Württemberg vorn. Beides Bundesländer in denen der SPD nach Zweitstimmentrend überdurchschnittliche Verluste gegenüber der letzten Bundestagswahl drohen.

Regionale Vorsprünge

Bei der Direktwahlfrage führt Olaf Scholz in allen 16 Bundesländern. Insgesamt holt Olaf Scholz 43 regionale Vorsprünge, Armin Laschet zwölf und Annalena Baerbock drei.

Direktwahlpräferenz

Nach Auswertung der jüngsten Befragungsergebnisse hält Olaf Scholz (SPD) seinen Wert von 32 Prozent aus dem Juli. Für Armin Laschet (CDU) als Kanzler sprechen sich nur noch 20 Prozent aus – 5,5 Punkte weniger als zuletzt. Annalena Baerbock von den Grünen verbessert sich von 15 auf 17 Prozent. FDP-Chef Christian Lindner kommt bei der Direktwahlfrage auf acht Prozent (+1%). Für den Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprechen sich sechs Prozent (+2%) aus – gefolgt von AfD-Bewerberin Alice Weidel mit vier Prozent (-1%). Der Anteil derer, die sich für keinen der genannten Politiker aussprachen, steigt auf 13 Prozent (+1,5%).

THEMA: Wenn man den:die Kanzler:in direkt wählen könnte, für wen würden Sie sich entscheiden? I Werte in Prozent
ZEITRAUM: 30.07. bis 04.08.2021 METHODE: CATI telefonisch & Online-Panel I Zielgruppenbasierte Online-Umfrage
GRUNDGESAMTHEIT/BEFRAGTE: n=5.973 unter wahlberechtigten Bürger:innen ab 18 Jahren in Deutschland

Situation bei den Direktmandaten

Obwohl die Tendenz stark rückläufig ausfällt, bleiben Wahlkreisbewerber:innen von CDU und CSU mehrheitlich in der Favoritenrolle. Insgesamt verliert die Union verglichen mit der Juli-Auswertung deutlich an potenziellen Direktmandaten: von zuvor 206 auf jetzt 168. Die SPD verbessert sich von 70 auf 99 mögliche Direktmandate. Mit 24 Erststimmenmehrheiten (+8) können die Grünen rechnen. Für AfD und Linke werden je vier Wahlkreisvorsprünge ermittelt.

Bewegung im Bundestrend

Der Abstand zwischen der Union und den anderen Parteien wird weniger. Das zeichnet sich auch in den Bundesländern ab: die Union wurde 2017 in 14 der 16 Länder stärkste Kraft. Zur Zeit könnte sie nur vier Ländermehrheiten halten und zusätzlich Sachsen von der AfD zurück erobern. Bisher kaum denkbar würde sie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen knapp von der SPD überholt werden. Die Grünen liegen in Baden-Württemberg, Berlin und Schleswig-Holstein vorn.

ZUM WAHLKREISTREND

Der deutschlandweite Trend für die Zweitstimmen sieht die Unionsparteien mit 24,5 Prozent vorn – 3,5 Prozentpunkte weniger als zuletzt. Jeweils mit leichten Gewinnen folgen SPD, Grüne und FDP. Die SPD erreicht 20 Prozent (+2%), die Grünen 18,5 Prozent (+1,5%) und die FDP 12,5 Prozent (+1%). Leicht nach unten geht es für die AfD mit 10 Prozent (-0,5%) – die Linke stagniert bei 7 Prozent.

Die detaillierten Trends aus den einzelnen Regionen, Ost wie Westdeutschland und Bundesländern finden Sie in der Spezialauswertung.